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Mein Nachbar Kurt 13

 

Die muss man nicht lesen...

..die Geschichte ist mir nicht so gelungen. Schauen sie sich lieber die Bilder auf unseren Seiten an, die Geschichte ist nicht so komisch. 

HALLO, ich hab doch gesagt... 

Während des Hamburger Hafenfestes im Hafen fotografieren? Ich bin doch nicht wahnsinnig. Nein, da suche ich mir lieber ein Tag wie heute aus. Relativ wenig Publikum, schönes Wetter und genügend Platz um mein Stativ aufzubauen, ohne das ich damit jemanden im Weg stehe. Super, ich habe richtig Bock auf fotografieren und bei dem Sonnenschein hüpft der Pol-Filter schon wie verrückt in der Tasche.  

So, den Dreimaster werde ich mir hier mal vornehmen. Wollen mal die Belichtung messen. Gute alte Graukarte, wenn ich dich.... "Horst, das ist doch der Nachbar von Kurt da drüben." rief plötzlich hinter mir eine Frauenstimme. Oh nee, oh nicht das jetzt. Ich drehte mich um und da kamen sie auch schon auf mich zugelaufen, die Dicke Koslowski mit Mann aus Kurts Kleingärtnerverein. "Huhuu, hallo." Na super, und immer schön laut rufen, damit auch ja jede Makrele das mitbekommt. Ich dreht mich lächelnd um und wollte die Beiden gerade freundlich begrüßen, aber bei Frau Koslowski ist es schwer zu Wort zu kommen. Sie fing schon im Laufen an zu plappern. "Ach Thomas, ich darf sie doch Thomas nennen, das ist ja ein Zufall. Haben wir doch heute unsere Hafenrundfahrt von Kleingärtnerverein. Wie schön sie hier zu treffen. Was machen sie da?" So freundlich die ersten Worte auch klangen, so misstrauisch wurde das 'Was machen sie da?' ausgesprochen.

"Ich fotografiere." Sorry, aber was sollte ich sonst sagen. Der Blick von Frau Koslowski wurde noch misstrauischer und sie erwiderte: "Wozu sollte man hier fotografieren? Überall gibt es hier die schönsten Postkarten und ihre Familie sehe ich hier nirgendwo, also was fotografieren sie denn bitteschön hier?" Ich hätte in den Zoo fahren sollen, jawohl in den Zoo. Da macht der blöde Truthahn zumindest nicht das Maul auf. "Ich suche mir hier ein paar Details, die ich so auf Postkarten nicht finde."

"Jaja, immer was ganz besünders, hat man ja schon gehört." sagte Frau Koslowski. Ich überlegte, ob ich nicht etwas für die Schlagzeile in der morgigen Zeitung fotografieren sollte, so auf die Art, 'Dicke Frau aus unerklärlichen Gründen in das Hafenbecken gefallen', aber Herr Koslowski übernahm die Initiative: "Schöne Kamera, die sie da haben. Was'n das für Eine?"

Hey super, besser hätte man die Situation gar nicht retten können. "Das ist eine Canon EF." sagte ich erfreut. Koslowski ließ seinen Blick über die Kamera auf dem Stativ huschen und fragte dann: "Wieviel Megapixel hat die denn?" "Die hat keine Megapixel, das ist keine Digital- sondern eine Analogkamera."

Nun schaltete sich wieder die dicke Koslowski ein: "Anal... watt? Was'n das für'n Schweinkram?" Ruhig Brauner, ganz ruhig. Dick, dumm dusselig, fett, faul, fuselig. "Ich habe keinen Chip, ich fotografiere noch mit Diafilm." "Ach was," meinte ein erstaunter Koslowski, "Wo hat denn die ihren Monitor?" "Die hat keinen Monitor." sagte ich etwas strenger. "Ach, keinen Monitor? Wie sehen sie denn dann nach dem Auslösen, ob das Bild etwas geworden ist?" "Das kann ich erst sehen, wenn ich den Film wieder von der Entwicklung bekommen habe." "Und wenn das nichts geworden ist, können sie die Bilder dann von dem Film wieder löschen?" "Nein, den Film kann ich dann in die Tonne hauen." Die dicke Koslowski flüsterte ihrem Mann etwas zu, so wie 'ganz watt besünders' und lächelte mich dann wieder anschließend an.

Koslowski sah auf seine kleine Digiknipse in seiner Hand und schaute mich dann eher etwas mitleideinig an. Dann sagte er fast euphorisch: "Aber was haben sie denn da für ein superkleines Zoomobjektiv an ihrer Kamera. Was hat denn das für ein Zoombereich?"  

"Das ist kein Zoom, das ist eine 50mm Festbrennweite." "Wie jetzt, kein Zoom?" "Nein." "Nur eine Brennweite?" "Ja." Ich drehte mich um und beugte mich zu meiner Fototasche um meine Graukarte aus der Tasche zu holen. Ich musste einfach einmal das Gesicht verziehen sonst wäre ich geplatzt. Ich hörte jedoch wie Koslowski zu seiner Frau sagte: "Der arme Mann. Pack mal unsere kleine Digitalkamera wech, wirkt sonst so prahlerisch." 

Ich drehte mich wieder um und beide lächelten mich mit einem verständnisvollen Blick an. "Oh," sagte Frau Koslowski, "was haben sie denn da für eine schöne Karte?" "Das ist eine Graukarte zur Belichtungsmessung." Koslowski schaute ganz erstaunt und sagte: "Ihre Kamera hat keine Matrixmessung?" "Nein." Koslowskis Augen wurden immer größer und er fragte weiter: "Wie viel Motoren?" "Keinen einzigen." "Permanenten Autofocus?" "Überhaupt keinen Autofocus, Scharfeinstellung von Hand." 

Die Koslowskis schauten sich beide an, dann nickte Herr Koslowski seiner Frau zu. Sie kramte in der Tasche, holte ihre Geldbörse raus und gab mir aus dieser zwei Euro in die Hand. Sie drehten sich gerade um und wollten gehen, als sich Frau Koslowski noch mal umdrehte und zu mir sagte: "Man kann das aber auch unauffälliger machen und sich einfach mit einem Hut vor die Beine hinsetzten wie die anderen. Sie müssen sich nicht für etwas besünders halten." Darauf drehte sie sich um und lief mit ihrem Mann weiter.  

Ich stand jetzt da mit zwei Euro in der Hand. Ich fass es nicht, aber ich hatte keine große Zeit zum überlegen, denn von hinten haute mir jemand auf die Schulter. "Hey Nachbar, was machst' du da?" Kurt, der hatte mir gerade noch gefehlt. "Moin Kurt, du suchst bestimmt die beiden Koslowskis. Wenn du dich beeilst, dann erwischt du die beiden noch. Dort hinten laufen sie." 

"Jaja, genau." Kurt schaute auf meine Hand mit den zwei Euro drinnen. Mir fiel erst jetzt auf, dass ich die Hand noch genauso hielt wie vor einer Minute. Kurt runzelte erst die Augenbrauen und fing dann an zu lächeln. "Machst du jetzt einen auf Hafenkomiker für ein paar Euro." Ich schaute Kurt mit sehr strengem Blick an, aber er schaute nur auf mein Stativ und meinte lachend: "Strahlender Sonnenschein und du fotografierst mit Stativ, wuaaaah, hast wohl Angst, dass deine 4000stel Sekunde verwackelt." Er lachte immer lauter, griff in sein Portmonee und drückte mir einen Euro in die Hand. Dann meinte er weiterhin lachend: "Zwei Euro hätte es gegeben, wenn du eine rote Pappnase aufgesetzt hättest."  

Dann lief er immer noch lachend weiter in Richtung Koslowskis. Na super, da gibt es ja bei der Kleingärtnerverein-Hafenrundfahrt bestimmt nur ein Thema.  

Nein, ICH finde diese Geschichte nicht komisch. Was machen sie überhaupt noch hier? Die Geschichte ist vorbei. Los wech, genug gesurft. Aus jetzt. Lasst mich endlich in Ruhe fotografieren. 

...und übrigens, für die drei Euro kaufe ich mir jetzt lecker Fischbrötchen, ätschebätsch.

;-)

TT

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