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Bildkritik

Können sie gut
mit kritischen Bemerkungen zu ihren Bildern umgehen? Aber klar doch,
werden sie sagen. Wer würde denn schon von sich behaupten, dass er das
nicht kann? Ich habe zwar schon viele Leute kennen gelernt, die
überhaupt nicht mit Kritik umgehen konnten, aber noch nie jemanden,
der das auch zugegeben hätte.
Sie können das
also? Aha, und was war mit letzter Woche, als jemand zu einem ihrer
Bilder gesagt hat, dass er es doof findet? Ach so, dass war keine
Kritik, sondern da wollte jemand nur provozieren. Ah ja.
Schauen wir uns
doch mal so eine Bildkritik an. Dazu brauchen wir nur in eins der
zahllosen Internetforen gehen und uns dort die Kommentare anschauen.
Der Autor stellt
ein Bild zur BK, nicht selten mit dem Hinweis: Bitte um
konstruktive Kritik.
Die ersten User
trauen sich und man findet folgende konstruktive Anmerkungen:
"Tolles Bild", "Schönes Motiv", "Wow", "Ein schönes
Bild", "Gefällt mir", "Da war ich auch schon mal, schöne Gegend"
usw.
Moment Mal, das
sind ja gar keine konstruktiven Anmerkungen, das sind subjektive
Empfindungen, geäußerte Emotionen. Stellen sie sich mal vor, jemand
bittet sie eine Wand auszumessen, und sie sagen nur: "Ein schöner
Zollstock", "Ganz toll lang die Wand".
Neinnein, sagen
sie, manchmal möchte man dem Autor ja auch nur seine Empfindungen
mitteilen und kann das vielleicht auch nicht immer begründen.
Gut, dann ändern
wir den Aufruf zur BK in: Bitte um eure Empfindungen und
konstruktive Kritik.
Braucht man
nicht schreiben, sagen sie, das ist selbstredend.
Ok *stöhn*, dann
lassen wir es so. Sie haben ja auch recht, denn immerhin hat sich der
Autor zu den Anmerkungen ja auch nicht geäußert.
Schauen wir mal
weiter auf die Kommentare, hier kommt was Neues.
"Gefällt
mir nicht".
Und nun
passiertes. Der Autor meldet sich sofort zu Wort: "Was soll das?
Willst du provozieren? Das ist keine konstruktive Kritik, ohne
Begründung kann ich damit nichts anfangen. So was ist überflüssig und
hilft niemanden."
Ja stimmt, er
hat Recht, "Gefällt mir nicht" ist keine konstruktive Kritik,
aber das waren die anderen Kommentare da oben auch nicht, nur das
wurde so hingenommen.
"Gefällt mir"
hat genauso viel konstruktiven Inhalt wie "Gefällt mir nicht".
Es sind beides die Empfindungen, welche der Betrachter beim Bild
verspürt.
Der Autor sagt
zu "Gefällt mir nicht": " ... ohne Begründung kann ich damit nichts
anfangen". Recht hat er, aber genauso wenig kann er etwas ohne
Begründung bei "Gefällt mir" anfangen, nur das scheint ihn
nicht zu stören.
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Waaaaas, das Bild
gefällt dir nicht? SKANDAL! |
Warum ist das so?
Brauchen wir gar
nicht lange drüber zu sprechen. Wer erhält nicht gerne Komplimente.
Ein "Du siehst toll aus" schmeichelt und freut uns. Ein "Du
siehst Scheiße aus" wird uns nicht gerade frohlocken lassen.
Also sollten wir
das in der Fotografie auch so hinnehmen? Komplimente machen, wenn das
Bild gefällt und den Mund halten wenn nicht? Ja, werden sie sagen, man
möchte doch niemanden weh tun.
Nein falsch, ganz
falsch. Es geht nämlich
gar nicht um den Autor sondern um sein Bild. Er möchte eine Kritik zu
seinem Bild und nicht zu seiner Person. Es steht ja da oben "Das
Bild-Gefällt mir" und "Das Bild-Gefällt mich nicht".
Dort steht nicht "Du bist aber ein schöner Fotograf" oder auch
"Du bist doof".
Aber, werden sie
sagen, ganz offensichtlich ist er mit der Äußerung "Gefällt mir
nicht" nicht einverstanden.
Richtig, aber
das ist sein Problem, denn der Autor zieht die Kommentare auf seine
Person und das ist ein Fehler.
Warum mache ich
eine BK? Wenn ich ein Bild fotografiert habe, dann sind da immer meine
Emotionen mit drin enthalten. Ich weiß, wie es dort ausgesehen hat,
welche Geräusche vorhanden waren, welche Gerüche. Vielleicht hatte ich
sogar bei der Aufnahme kurz vorher ein schönes Erlebnis. Wenn ich nun
dieses Bild anschaue, dann kommen diese Erinnerungen wieder zu mir und
ich werde das Bild schön finden. Das kann und soll mir auch niemand
nehmen.
Nur, empfindet
ein neutraler Betrachter des Bildes das auch so? Hat er die gleichen
Empfindungen, ohne das er weiß, wie es dort drumherum aussah, ohne die
Geräusche und Gerüche, ohne die schönen Erlebnisse vorher? Ich weiß es
nicht, und deshalb stelle ich dies Bild zu BK.
Der Betrachter
sieht nur das Bild und sonst nichts. Ich bitte ihn darum, mir seine
Empfindungen mitzuteilen (subjektiv) und zu sagen, falls er das kann,
woran das liegen könnte (objektiv).
Gehen wir mal
davon aus, dass es ich bei dem Bild um einen Urlaubsschnappschuss des
letzten Mallorca-Urlaubs handelt. Für den Autor eine tolle
Erinnerungsaufnahme, für uns belanglos, langweilig und mit vielen
Mängeln. Es gibt nun verschiedene Möglichkeiten dem Autor dies
mitzuteilen.
Provozieren oder wichtig
machen.
Fangen wir
gleich mit dem an, womit sich viele Autoren rausreden, wenn sie einen
Kritiker angreifen, weil er ihr Bild nicht als besonders toll
eingestuft hat. Diese Art der Kritik ist sehr selten, viel seltener
als die meisten es gerne hätten. Jemand der provozieren möchte ist
leicht zu erkennen. Er zieht sich an Dingen hoch die für die
Bildwirkung völlig unerheblich sind oder argumentiert sehr unsachlich
ohne Begründung. Persönlich kann ich mich nur an zwei Fälle erinnern,
die ich ihnen hier zeigen möchte.
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"Der Reifen vorne
ist fast nicht ganz drauf." Stimmt, 2 Meter tiefer gehalten
und das MX-Kid wäre fast eigentlich gar nicht mehr drauf.
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"Das Bild ist
verwackelt." Stimmt auch, ist mir noch gar nicht aufgefallen. |
Beide Kommentare
wurden abgegeben, nachdem ich ein Bild des Autors kritisiert hatte.
Wenn nicht der Rest des Kommentars so böswillig gewesen wäre, würde
ich wahrscheinlich nicht mal diesen Kommentar als Provokation ansehen.
Und wie schon gesagt, an mehr Kommentare dieser Art kann ich mich
nicht erinnern.
Gar nichts sagen.
Das
ist die überwiegende Reaktion auf ein schlechtes Bild. Glauben sie
nicht? Schauen sie sich in Foren die Klicks pro Bild an und wie
viele Kommentare unter dem Bild stehen. Nehmen sie an einer
Bildbesprechung teil und achten sie darauf wie lange es dauert, bis
sich überhaupt jemand äußert. Meist ist es dann ein erfahrender
Kollege.
Warum äußern wir uns nicht?
Man möchte dem Autor nicht weh tun. Man hat Angst, dass man sich
vom Autor oder anderen Betrachtern beschimpfen lassen muss. Evtl.
wird man als Nörgler hingestellt oder der Autor ist beleidigt und
sagt, dass er ab jetzt keine Bilder mehr zeigt, weil eh immer nur
alles schlecht gemacht wird. Also, besser den Mund halten. Wenn
jemand ganz erfahrenes, dem man kaum widersprechen mag, sich äußert,
dann kann man ja evtl. dem zustimmen, aber bloß nicht als Erster. Im
Internet ist dann noch die Gefahr, dass sich der Autor an meinen
Bildern rächt und diese absichtlich schlecht macht. Oder das er mich
auf Ignore setzt. Also, besser gar nichts sagen.
Der Wert dieser Art von Kritik ist fast 0,
aber nicht ganz, denn wenn sich überhaupt niemand äußert, dann
können sie davon ausgehen, dass ihr Bild nicht besonders gut
ankommt.
Überflüssiges äußern.
Morgen ist Donnerstag. Bei Regen kann man nass
werden. Haha, so was äußert doch kein Mensch. Nein? Stimmt, so was
wohl nicht, aber so ähnlich. "Da war ich auch schon mal, schöne
Gegend." Ja, ganz toll, und was sagt das jetzt über mein Bild
aus? "Schönes Motiv". Auch toll. Der Eifelturm ist ein
schönes Motiv. Er ist ca. 40 Millionen mal fotografiert worden (wenn
das mal ausreicht). Es ist jedes Mal der Gleiche Turm, also ist er
auch jedes Mal ein schönes Motiv. Was sagt das jetzt über die 40
Millionen Bilder aus? Gar nichts. Warum macht man das? Tja, ich
möchte einfach auch mal was sagen. Dein Bild finde ich zwar nicht
besonders toll, ich finde auch nichts positives, also äußere ich
etwas belangloses, was zumindest positiv klingt.
Der Wert dieser Kritik ist nicht
nur gegen 0, er ist auch noch gefährlich. Ungeübte Autoren könnten
den Eindruck erhalten, sie hätten ein gutes Bild gemacht.
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"Tolles Motiv."
Na klasse, das weiß ich auch selbst und tausend andere
Urlauber auch, aber was ist mit dem Bild? |
Denk positiv
Ein schreckliches Bild. Jeder würde es
ungespitzt in die Tonne haun, aber der Autor hier zeigt es uns auch
noch. Na ja, irgendetwas positives findet man doch immer. Es ist
zwar total unscharf, man erkennt gar nichts, es ist schief,
farbstichig, aaaaber.....es sieht richtig belichtet aus. Auch wenn
das für dieses Bild völlig belanglos ist, wir können etwas positives
äußern. Wir möchten den Autoren doch nicht enttäuschen. "Ziemlich
gut belichtet." Und schon kommen andere dazu, die das auch
bestätigen. So, und nun schnell das nächste Bild. Puh, gerade noch
so gerettet.
Wie bei Nr. 2 ist diese Art der Äußerung nicht
nur wertlos, sondern auch noch unfair. Der Autor bittet uns um eine
Bildkritik, und wir sprechen bei 99 Mängeln und 1 positiven Aspekt
nur den einen positiven an? Ganz tolle Hilfe. Was soll der
unerfahrene Autor jetzt ändern und wozu überhaupt? Scheint doch
jedem so gefallen zu haben. Und wieder machen wir den Fehler, dass
wir den Autoren im Vordergrund sehen und nicht das Bild.
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Äh ja, öh, die
Sonne ist echt schön in der Mitte. |
Mich hat im Internet
mal ein User gefragt, nachdem eins meiner Bilder fürchterlich
zerrissen wurde, als Kitsch und für die Tonne bezeichnet wurde,
warum ich auf diese Äußerungen so locker reagiere und mich bei den
Usern auch noch bedanke für diese Kommentare. Ganz einfach, sie
haben mein Bild kommentiert und nicht mich. Sie haben mir ihre
Emotionen mitgeteilt und teilweise auch begründet. Was kann ich mehr
verlangen? Dieses Bild brauchte ich nicht mehr auszustellen, die
Galeriebesucher hätten es ähnlich gesehen und sich ihre Gedanken
gemacht. Ich habe mich einfach zu sehr von meinen Emotionen
verleiten lassen. Und, die Kritiker hatten Recht, das Bild war
wirklich kitschig. Das war für mich eine sehr hilfreiche Kritik.
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Junge, junge, für
dieses Bild habe ich damals ganz schön Haue
bekommen, aber die Kritiker hatten Recht, die Montage der
Möwe ist nicht wirklich gelungen. |
Lügen
Das Bild ist flau und farbstichig und unter
dem Bild steht: "Schöne Farben". Das Portrait ist unscharf,
die Haut glänzt wie eine Speckschwarte und das Licht ist nur
schrecklich, unter dem Bild steht jedoch: "Schönes Portrait".
Das ist ganz schlimm, denn man sagt dem Autor,
dass er etwas gut gemacht hat, obwohl es ganz offensichtlich
schlecht ist. Das hat auch nichts mit Geschmacksache zu tun, hier
geht es um offensichtliche Mängel. Aber was tut man nicht alles um
gut dazustehen. Tun wir dem Autoren doch diesen Gefallen. Nein, man
tut dem Autoren keinen Gefallen, man sorgt dafür, dass er weiter auf
der Stelle tritt, sich nicht verbessert und das nächste Bild mit
genau den gleichen Mängeln macht.
Über den Wert dieser Art von Kritik brauche
ich mich wohl nicht zu äußern.
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"Da die Erde ein
Kugel ist, stört mich auch nicht der gebogene Horizont."
Hey super, ich wollte es gerade ändern, aber wenn es nicht
stört...
Weiaweia. Das sagt doch keiner, meinen Sie? Sie waren noch
nicht in
diversen FCs. |
Der kurze subjektive emotionale
Kommentar
"Wow", "Klasse", "Schönes Bild", "Gefällt
mir"
Nun wird's heikel, denn hier kann man nicht
alle Äußerungen unter einen Tisch kehren. Es gibt da die Betrachter,
die evtl. keine Zeit für längere Kritiken haben, oder auch keine
Lust, oder das auch einfach nicht begründen können. Sie äußern
einfach ihren ersten subjektiven Eindruck. Das ist auch nicht weiter
schlimm, warum soll man nicht mal einfach nur seine Emotionen äußern
dürfen?
Doch sollten wir uns darüber im klaren sein,
dass der konstruktive Inhalt gleich 0 ist. Und es gibt noch eine
große Gefahr bei dieser Art von Kommentaren, denn nicht immer sind
sie der Ausdruck des eigenen Empfinden, sondern einfach nur
Bauchpinselei.
Tja, die Bauchpinsler. Egal wie das Bild ist,
für ein "Schönes Bild" ist immer Zeit. Diesen Betrachtern
oder Usern geht es nur darum Aufmerksamkeit zu erhaschen. Hier und
da werden in Internetforen Punkte oder Sternchen vergeben. Wer die
meisten Sternchen hat, wird vielleicht Fotograf der Woche. Also,
wenn ich möglichst vielen Usern einen netten Kommentar gebe und
sogar ein Sternchen, dann mache er das als Revanche wahrscheinlich
auch. Also, mir tut es nicht weh, und dem Autoren auch nicht.
Vielleicht möchte man dem Autoren aber auch
nur sagen, dass man ihn mag und schreibt ihn deshalb eine netten
Kommentar unter sein Bild. Es ist übrigens völlig unabhängig davon,
ob das Bild gut oder schlecht ist.
Und das ist eben das Dilemma, wer kann schon
den ehrlich emotionalen Kommentar von der Bauchpinselei
unterscheiden? Meine Meinung; wer Zeit für eine emotionalen
Kommentar wie "Ein schönes Bild" hat, der hat auch noch Zeit
für einen kleinen zusätzlichen Satz. Diese Zeit nehmen sich die
Bauchpinsler nämlich nur in den seltensten Fällen, denn wie sollen
sie eine Emotion begründen, die sie eigentlich gar nicht haben?
Aber wir sind noch nicht fertig mit der
subjektiven emotionalen Äußerung, denn alle oben genannten
Kommentare, ob ehrliche Emotion oder Bauchpinselei, wird jeder Autor
ohne Kommentar hinnehmen, auch ich. Wenn sich jemand zu ihrem Bild
äußert in der Art "Gefällt mir" würden sie denjenigen zur
Rede stellen mit den Worten: "Wie jetzt 'Gefällt mir'? Was soll
ich denn damit? Können sie das mal bitte begründen. Soll das
vielleicht hilfreich oder konstruktiv sein? So etwas können sie sich
in Zukunft sparen, dass ist überflüssig."
Wozu soll ich das in Frage stellen, meinen
Sie? Er äußert seine ehrlich Emotion, seine Gefühle. Warum soll ich
daran etwas auszusetzen haben.
Ja, sie haben ja Recht. Warum soll man das in
Frage stellen, aber würden sie das auch genauso anerkennen, wenn er
sagt: "Gefällt mir nicht". Oder anstelle von "Schönes
Bild" "Doofes Bild" sagt?
Denken sie mal drüber nach.
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| "Wow, toll,
klasse." Danke für die Blumen, aber was sagt mir das jetzt? |
Der lange subjektive emotionale Kommentar
Wie oben geschrieben, hält es sich beim
Kommentar der Art "Schönes Bild" fast ausschließlich um
Bauchpinselei. Aber wie kann ich meine Emotionen niederschreiben,
ohne das dieser Verdacht erweckt wird? Ganz einfach, schreiben sie
doch einfach was sie denken, so in der Art: "Gefällt mir sehr
gut. Das Farbenspiel und die Gestaltung lassen gleich ein
beruhigendes Gefühl in mir aufkommen. Toll gemacht." Oder auch:
"Super, das Bild wirkt durch die Brillanz und gelungene
Gestaltung. Die Bildwirkung schlägt sofort an."
Alles noch nicht besonders konstruktiv, aber
man merkt, dass sich der Betrachter des Bildes Gedanken gemacht hat.
So etwas schreibt keine Bauchpinsler.
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"Mir wird sofort
kalt und unwohl bei dem Anblick. Ich fühle mich hilflos. Die
Bildwirkung trifft mich wie mit dem Baseballschläger
geschlagen."
Ui prima, das Bild wirkt. |
Der rein konstruktive, objektive und ehrliche
Kommentar
Nun kommen wir dazu, was der Autor eigentlich
möchte, eine objektive Äußerung. Nennen wir mal ein Beispiel:
"Das Bild ist überbelichtet und unscharf." Das war's schon. Nun
weiß der Autor, was an seinem Bild nicht stimmt. Und trotzdem,
gerade bei solchen Kommentaren wird oft genug genauso ausgeholt wie
bei "Gefällt mir nicht." Warum das so ist, haben wir schon
besprochen. Anstatt froh über diese Kritik zu sein, wird auch in
diesem Fall der Kritiker angefeindet, weil der Autor sich wieder mal
persönlich beleidigt fühlt. Lieder ist es auch oft der Fall, dass
der Autor eigentlich gar keine ehrliche Kritik wollte, sondern auf
Bauchpinseleien gehofft hat. Und nun kommen sie mit dieser ehrlichen
konstruktiven Kritik. Na Bravo.
Der Wert dieses Kommentars, auch wenn er uns
nicht gefällt, steht aber außer Frage.
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Zu flau,
blaustichig und die rechte Seite stört. Hmm, ich kann jetzt
beleidigt
sein oder die Kritik annehmen und versuchen umzusetzen.
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Äh, also ich
würde ja mal sagen, die Kritiker hatten recht. Man nur gut,
dass
ich so ein liebes Bürschchen bin und auf andere höre ;-) |
Der konstruktive, objektive und ehrliche Kommentar
mit subjektiver Äußerung.
Jedes Bild hinterlässt einen Bildeindruck beim
Betrachter. Es wäre doch deshalb eine gute Kritik, wenn ich dem
Autor meinen Bildeindruck, meine Emotionen sage und dies evtl. dann
sogar noch mit konstruktiver Kritik begründen kann. Beispiel:
"Das Bild gefällt mir nicht, es spricht mich nicht an. Durch den
unharmonischen Bildaufbau wandert mein Auge hin und her, ohne sich
irgendwo festhalten zu können. Dazu kommt ein Unschärfe, die einfach
sehr störend wirkt und keinerlei Aussage unterstützt. Die
Überbelichtung nimmt dem Bild leider jegliches Stimmungsgefühl.
Nein, dein Bild wirkt bei mir nicht."
Das ist doch eine Bildkritik nach unserem
Geschmack, oder? Leider nehmen trotzdem viele Autoren lieber den
Ausdruck "Schönes Bild" entgegen als diese Kritik hier. Trotzdem,
der Wert dieser Kritik ist sehr hoch, denn der Betrachter gibt mir
seinen Bildeindruck wieder und begründet es auch noch. Aber es geht
noch besser.
Der objektive, konstruktive Kommentar mit subjektiven, emotionalen
Inhalten und Verbesserungsvorschlägen.
Ich schreib einfach mal einen. "Nein, dein
Bild gefällt mir nicht, es wirkt einfach nicht auf mich. Die hier
gewählte Unschärfe unterstützt leider nicht die Bildaussage, sondern
lässt den Blick ohne Halt durch das Bild wandern. Besser wäre eine
selektive Schärfe mit Schärfezentrum auf dem Hauptmotiv gewesen, so
das der Blick des Betrachters sofort zu deinem Hautmotiv geführt wird.
Das kannst du erreichen mit einer größeren Blende oder einer längeren
Brennweite. Auch ist die mittige Anordnung deines Hauptmotivs nicht
von Vorteil. Es entsteht so ein Ungleichgewicht im Bild, das als
störend empfunden werden kann. Besser wäre hier ein Aufteilung nach
dem Goldenen Schnitt. Evtl. kannst du dein Bild ja noch etwas
beschneiden."
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"Mir gefällt zwar
die Idee, aber weder die Farbe der Rosen kommt
richtig rüber, noch des Wassers oder Eis. So verliert das ganze
Bild
seine Wirkung. Wenn du die Tonwerte korrigierst, die Kontraste
etwas anhebst, dann gewinnt das Bild dadurch wahrscheinlich
erheblich an Wirkung. Die Gestaltung finde ich nämlich sehr
gelungen." |
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Ich kann nur
sagen: Danke. |
Das ist ein Bildkommentar wie wir ihn uns
wünschen.
Oha, ich merke schon,
nun kommen sie:
-
Dafür habe ich keine Zeit.
Ok, das muss man akzeptieren. Besser ein kurzer
Kommentar als keiner.
-
Das kann ich gar nicht. Dafür
fehlt mir die nötige Kompetenz.
Akzeptiert. Keine Widerrede.
- 9
Verschieden Arten von Kommentaren? Man kann es aber auch kompliziert
machen. Ich möchte einen kurzen knappen Kommentar abgeben und keinen
Roman schreiben. Geht es auch einfach?
Aber
sicher doch. Sie können auch weiterhin "Toll", "Schönes Bild", "Wow"
und "Schönes Motiv" schreiben, und zwar nur bei den Bildern, wo
sie möchten. Aber sie tun dem Autoren damit keinen Gefallen, sondern
nur sich selber. Sie haben Angst schlecht dazustehen und haben deshalb
nicht die Traute sich ehrlich zu äußern. Blödsinn, sagen sie? Sie
möchten einfach nur äußern, dass ihnen das Bild gefällt? Und wie
äußern sie sich bei Bildern, die ihnen nicht gefallen? Aha.
Sie wollen eine ganz
einfache und simple Anweisung für eine Bildkritik oder einen
Kommentar, der auch noch hilfreich für den Autor ist? Hier kommt er:
Seien sie doch
einfach nur ehrlich.
Schreiben sie wo sie
wollen und was sie wollen, aber seien sie ehrlich. Es gibt nichts
schlimmeres als schlechte Bilder gut zu reden. Sie helfen damit
niemanden, außer sich selber.
Und wenn sie schon
unbedingt einen unkonstruktiven und wertlosen Kommentar wie
"Gefällt mir" abgeben wollen, dann zeigen sie doch mal Mut und
machen das auch bei den Bildern die ihnen nicht gefallen. Wie jetzt
ausreichend erklärt wurde, hat ein "Gefällt mir nicht" den
gleichen Wert wie ein "Gefällt mir".
Dabei wünsche ich ihnen
viel Spaß.
Thomas Tremmel
P.S.: Für Buchtipps
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