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Bildgestaltung - Goldener
Schnitt und Drittelteilung

Oha, man gerade die
Überschrift gelesen und schon runzeln die ersten die Stirn. Muß das
nicht "Goldener Schnitt oder Drittelteilung" heißen? Ist das nicht das
Gleiche? Wenn Ihnen das jemand erzählt, dann haben Sie einen typischen
Fachbuchsklaven vor sich; alles gelesen, nichts verstanden, falsch
weitergegeben.
Erbsenzählerei mögen Sie
denken, aber die Gestaltung in Anlehnung des Golden Schnittes geht
einfach anderen Überlegungen voraus als die Gestaltung nach der
Drittelteilung. Vielleicht werden Sie am Ende dieser Seite meinen
Überlegungen zustimmen, vielleicht auch nicht. Sehen Sie es einfach
als zusätzliche Information und nicht als Stein der Weisen.
Was ist der
Goldene Schnitt?
Was soll ich Ihnen viel
erzählen, es gibt genug Erklärungen, Formeln und Zeichnungen dazu.
Hier kommen ein paar gesammelte Werke:
Goldener Schnitt
Bezeichnung für
ein mathematisches Teilungsverhältnis; irrationale Proportion von
Breite zu Höhe im Verhältnis 1 : 1,618. Propagiert wurde der Goldene
Schnitt seit der Renaissance insbesondere von Architekten,
Typographen,
Malern, Bildhauern und Musikern als das ideale Zahlenverhältnis im
Sinne des Klassizismus. Der Goldene Schnitt, also das
Teilungsverhältnis
a : b = b : (a + b)
wenn a gleich 1
ist, beträgt b 1,618; ist a gleich 0,618, so ist b gleich 1. 0,618 : 1
entspricht 1 : 1,6180339887498948482045868343656 (...) gerundet 1 :
1,618
Alles klar? Noch nicht,
dann haben wir hier noch einen:
Der Goldene Schnitt ist ein bestimmtes Verhältnis, wobei das
Verhältnis der Gesamtlänge zum größeren Teil genau so groß ist, wie
das Verhältnis des größeren Teils zum kleineren Teil:

Zur Berechnung diese Verhältnisses nimmt man obige Formel:
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es gilt |
L / a = a / b |
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weiter gilt |
L = a + b oder b = L - a |
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in einander
eingesetzt |
L / a = a /
(L - a) |
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ausmultiplizieren |
L² - L * a =
a² oder a² + L * a - L² |
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Lösung der
quadr. Gleichung |
(-L + Wurzel
(5) * L) / 2 |
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für L = 1 ist
die Lösung |
1 : 1,618 |
Immer noch nicht? Aber nun:
Am Beispiel eines griechisch-dorischen Tempels wird das Verhältnis der
Säulen zur Gesamthöhe des Bauwerks gezeigt. Teilung einer Strecke C
(= Summa) in einen kleineren Teil A (= Minor) und einen
größeren Teil B (=Major), so dass sich A : B = B : C
verhält.

So, nun sollte
aber alles klar sein. Zur Vereinfachung hat man dann das Verhältnis
auf ganze Zahlen abgerundet, die da z. B. wären 2:3, 5:8, 8:13, 13:21
usw.
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Haben Sie sich Ihr
Lieblingsverhältnis eingeprägt? Prima, dann vergessen Sie
das alles ganz schnell wieder.
Möchten Sie wirklich mit einer Messlatte durch die
Landschaft hüpfen oder sich die Verhältnisse als Diagramm
auf die Sucherscheibe ritzten? Na also.
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Das ist aber
ärgerlich, hier ist das Verhältnis leider nur 2:2,3. Und nun? |
Ich zeige Ihnen ein besseres
Hilfsmittel um immer das richtige Verhältnis für Ihre Aufnahme zu
finden; Ihren Bauch. Wenn Sie verstanden haben warum und
wann man den Goldenen Schnitt einsetzt, dann brauchen Sie keinen
Zollstock. Sie werden in Verbindung mit Ihren Bauch immer das für Ihr
Bild richtige Verhältnis finden. Und wenn es den oben angegebenen
Verhältnissen des Goldenen Schnitts nicht entspricht, dann nennen Sie
halt Bunten Schnitt oder auch anders.
Denn bei der Anwendung des
Goldenen Schnitt oder auch der Drittelteilung kommt es nicht darauf an
ein bestimmtes Verhältnis einzuhalten, sondern alleine um die
Bildwirkung. Und die Bildwirkung des Goldenen Schnitt beruht nun mal
darauf, dass in den meisten Fällen der Bildeindruck harmonischer
wirkt, wenn sich das Hauptmotiv nicht exakt in der Mitte befindet,
sondern leicht aus der Mitte gerückt. Wie weit aus der Mitte, sagt
Ihnen Ihr Bauch.
| Hat das Bild das
richtige Verhältnis um als Goldener Schnitt durchzugehen? Egal,
mir gefällt es so wie es ist. Aus der Mitte nach rechts verschoben
und den Blick in die leere Fläche. Evtl. könnte die Fläche rechts
sogar noch ein klein wenig kleiner ausfallen. Sagt zumindest mein
Bauch. |
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| Nein, da passt
etwas nicht. Das ist zu mittig. Versuchen wir mal was anderes. |
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| Hmm, ich dachte zuerst, eine
gewagtere Position kommt besser, aber das ist ja total daneben.
Richten wir uns doch mal ein wenig nach dem Goldenen Schnitt ... |
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| ...(grübelgrübel)...denken
nicht an die Verhältnisse und nehmen unseren Bauch dazu... |
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| Ja, das ist es. |
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Beim Goldenen Schnitt handelt
es sich immer um einen relativ kleinen Versatz aus der Mitte. Warum
wird beim nächsten Bild deutlich.
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Nein,
hier kann man beim besten Willen nicht mehr vom Goldenen Schnitt
sprechen. Der Leuchtturm ist zu weit am rechten Rand platziert. |
Wird das Verhältnis
zu groß, entsteht ein große leere Fläche. Das Gleichgewicht ist in
diesem Bild nicht mehr gegeben, es wirkt unharmonisch. Um Harmonie in
solch ein Bild zu bekommen gibt es zwei Möglichkeiten; entweder den
Leuchtturm weiter zur Mitte platzieren oder die leere Fläche mit einem
zweiten Motiv füllen.
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Um einen langweiligen,
unharmonischen, synchronen Bildaufbau zu vermeiden, wurde der
Leuchtturm leicht aus der Mitte versetzt. Der Versatz sollte aber
nicht zu groß sein, da sonst die Gefahr eines Ungleichgewichts
gegeben ist. |
Hier
wurde die leere Fläche mit einem zweiten Motiv gefüllt.
Das Bild kippt nun nicht mehr nach rechts und wirkt harmonischer.
Auch der Horizont ist hier eine reine Bauchentscheidung; selbst
eine Anordnung des Horizonts nach dem Goldenen Schnitt würde
zuviel überflüssige dunkle Fläche in das Bild bringen. Der
Horizont gehört deshalb weiter nach unten; sagt mein Bauch. |
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Obwohl die Position des
Leuchtturms nicht verändert wurde, wirkt der Leuchtturm jedoch nicht
deplaziert.
Das Bild wurde nach der
Drittelteilung gestaltet.
Worin
unterscheidet sich die Drittelteilung vom Goldenen Schnitt?
Bei der Drittelteilung, der
Name sagt es ja schon, haben wir ein Seitenverhältnis von 1:2,
da wir das Bild in drei gleich große Stücke aufteilen. Beim Goldenen
Schnitt haben wir ein Verhältnis von 1:1,618. Auch wenn wir auf diese
Zahlenspielerei nicht allzu viel geben wollen, eines wird jedoch
deutlich: bei der Drittelteilung liegt das Hauptmotiv weiter am
Rand als beim Goldenen Schnitt bzw. beim Goldenen Schnitt wird
das Hauptmotiv dichter zur Mitte angeordnet.
Warum das so ist, haben wir
weiter oben schon angesprochen:
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Der Goldene Schnitt kommt in
der Regel bei Bildern zur Anwendung, die nur aus einem
Hauptmotiv bestehen. Dabei wird das Motiv nur gering aus der
Mitte gesetzt um kein Ungleichgewicht zu erzeugen.
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Die Drittelteilung kommt in
der Regel bei Bildern zur Anwendung, die aus Hauptmotiv und
Nebenmotiv bestehen. Dabei kann das Hauptmotiv stärker aus
der Mitte gesetzt werden, da das Nebenmotiv für ein Gleichgewicht
sorgt.
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Nicht vergessen; Ausnahmen
bestätigen die Regel (oder der Bauch).
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| Klassisches
Beispiel für eine Drittelteilung. |
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| Lassen Sie Ihrer
Phantasie einmal freien Lauf. Stellen Sie sich das Bild nur mit
der jeweils rechts in Groß erscheinenden Frau vor und denken Sie
sich die anderen Frauen einfach aus dem Bild.
Die rechte Fläche wäre deutlich zu groß, da
die Frau viel zu weit an den linken Rand gedrängt wäre. |
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| Auch hier wäre
das Verhältnis immer noch sehr unharmonisch, da die rechte Fläche
einfach noch zu groß wäre. Zusammen mit der Frau in Orange, würde
dann allerdings ein Gleichgewicht entstehen. |
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| Hier ist die
Frau im Goldenen Schnitt angeordnet und könnte alleine bestehen.
Nun stellen Sie sich noch die Frau in Orange dazu vor; es entsteht
sofort ein Ungleichgewicht, da das Bild zu rechtslastig wird. |
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| Die Frau in
Orange alleine im Bild, wäre gestalterisch eine mittlere
Katastrophe. Als Gegengewicht zum Hauptmotiv ist Sie jedoch von
hoher Bedeutung. |
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Hier noch mal zur
Verdeutlichung die Aufteilung in Anlehnung an die
Drittelteilung.
Machen Sie sich frei von
festen Verhältnissen; entscheiden Sie mit dem Bauch. |
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Glauben Sie mir, ich habe in
meinen Anfängen der Fotografie weder etwas vom Goldenen Schnitt noch
von der Drittelteilung gewusst, trotzdem war es bei meinen und bei
anderen Bildern die ich betrachtet habe immer wieder diese
Bildeinteilung, welche ich als angenehm empfand. Deshalb ist es zwar
schön, wenn man die Verhältnisse und die Definition des Golden
Schnittes sowie der Dritteleinteilung kennt, aber für das eigentliche
fotografieren ist es unerheblich. Hören Sie einfach auf Ihr Gefühl.
Versuchen Sie nie krampfhaft
den Goldenen Schnitt oder die Drittelteilung einzuhalten, sondern
fotografieren Sie immer nur in Anlehnung an diese
sogenannten Regeln.
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Ein schönes
Motiv, aber gestalterisch ein Chaos; das Auge findet keinen
ruhenden Punkt. |
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Hier ein paar Beispiele für die
Gestaltung in Anlehnung an den Goldenen Schnitt oder der
Drittelteilung. |
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Und wenn bei meinem Motiv weder
der Goldene Schnitt noch die Dritteleinteilung passt, was dann?
Dann lassen Sie es auch. Es ist gut die oben
genannten Regeln zu kennen, denn nur dann weiß man auch wann und warum
man sie brechen sollte. Es geht einzig und allein um die Bildwirkung.
Machen Sie sich nicht zum Sklaven irgendwelcher Regeln, aber
ignorieren Sie diese auch nicht.
Mit dem Verständnis für diese Regeln und der
Entscheidung aus Ihrem Bauch, werden Sie in kürzester Zeit bessere
Bilder machen. Besser und schneller als Ihnen das jedes neue
Kamera-Feature bieten kann.
Viel Spaß dabei.
Thomas Tremmel
P.S.: Für Buchtipps betreffend
Bildgestaltung schaut bitte auf unsere Buchtipp-Seite
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